🆘 Modul 7

Modul 7: Unterstützung & Handeln: Was tun, wenn du selbst oder jemand anderes GBV erlebt

Praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung, um sicher und einfühlsam auf geschlechtsspezifische Gewalt (GBV) zu reagieren – egal, ob du sie selbst erlebst oder jemand anderen unterstützt.

🤝 Zuständiger Partner: KMOP

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Praxisleitfaden & Unterstützungsangebote

Dieses Modul bietet praktische Orientierung für alle, die geschlechtsspezifische Gewalt (GBV) erleben oder beobachten. Ob du direkt betroffen bist oder jemand anderen unterstützt: Du findest hier Schritt-für-Schritt-Hinweise, die dir helfen, sicher, wirksam und mit Mitgefühl zu handeln.

  • Wenn du GBV erlebst oder erlebt hast, hilft dir dieses Modul, deine Optionen zu verstehen, dich zu schützen und die Unterstützung zu finden, die du brauchst.
  • Wenn du nicht direkt betroffen bist, erklärt es, wie du eine betroffene Person unterstützen kannst – mit klaren Hinweisen, was zu tun ist, wenn sich eine überlebende Person an dich wendet.

Die Inhalte basieren auf internationalen Best Practices und Kernprinzipien wie Respekt für die Entscheidungen von Betroffenen, Vertraulichkeit, Sicherheit und Nichtdiskriminierung.

Außerdem findest du eine zusammengestellte Liste offizieller EU-weiter und nationaler Unterstützungsangebote und Meldestellen, damit du (oder andere) informiert, geschützt und gestärkt handeln könnt.

🧭 Was du tun kannst: Ein Praxisleitfaden zum Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt (GBV)

Geschlechtsspezifische Gewalt (GBV) zu erleben oder zu beobachten — ob körperlich, psychisch, verbal, sexualisiert oder online — kann überwältigend, isolierend und beängstigend sein. Dieser Abschnitt unterstützt dich mit klaren, umsetzbaren Schritten, die du für dich selbst oder zur Unterstützung anderer gehen kannst. Egal, wie deine Situation aussieht: Du bist nicht allein, und es gibt sichere, vertrauliche Wege, Hilfe zu bekommen.

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Wenn du GBV erlebst

Egal, welche Form von GBV du erlebst: Deine Sicherheit, dein Wohlbefinden und deine Entscheidungen sind wichtig. Die folgenden Schritte können dir helfen, in deinem eigenen Tempo zu handeln. Denk daran: Du bist nicht allein – es gibt Fachpersonen und Angebote, die dich ohne Druck oder Bewertung unterstützen.

Wenn du in unmittelbarer Gefahr bist – online oder offline – hat deine Sicherheit oberste Priorität.

● Offline: Ruf die Polizei, verlasse wenn möglich deine Wohnung/dein Zuhause oder geh an einen sicheren Ort, z. B. zu einer Polizeidienststelle, in ein Krankenhaus, in eine Schutzeinrichtung/Notunterkunft oder zu einer vertrauten Freundin bzw. einem vertrauten Freund oder Familienmitglied.

● Online: Aktiviere die Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Medien, blockiere oder stummschalte missbräuchliche Accounts und nutze verschlüsselte Messenger-Dienste. Verschlüsselte Plattformen helfen, deine Gespräche davor zu schützen, abgefangen oder überwacht zu werden – besonders wenn die Person, die Schaden verursacht, Zugriff auf deine Geräte oder Konten hat. Wenn Drohungen eskalieren, kontaktiere Vertrauenspersonen oder den Notdienst.

Wenn du in körperlicher Gefahr bist, ruf die EU-weite Notrufnummer 112 für lokale Einsatzkräfte an oder die GBV-spezifische Helpline 116 016, die in allen EU-Mitgliedstaaten verfügbar ist. Du kannst auch auf die spezifischen Angebote in deinem Land zurückgreifen.

Du kannst auch einen Sicherheitsplan vorbereiten: eine kleine Sammlung von Schritten und Ressourcen – z. B. eine gepackte Tasche, wichtige Telefonnummern, etwas Bargeld und sichere Fluchtwege – die dir helfen kann, bei Bedarf schnell zu gehen.

Mit einer vertrauten Person zu sprechen – ob Freundin/Freund, Lehrkraft, Jugendbetreuer*in oder Familienmitglied – kann ein wichtiger Schritt sein, um dich unterstützt zu fühlen und Hilfe zu finden. Du musst das nicht allein durchstehen.

Beweise zu sichern ist wichtig, falls du dich später entscheidest, die Gewalt zu melden. Dokumentation kann rechtliche Schritte oder Schutzmaßnahmen unterstützen. Dazu kann gehören:

  • Screenshots von beleidigenden Nachrichten oder Drohungen
  • Ein schriftliches Protokoll von Vorfällen, Daten und möglichen Zeug*innen
  • Fotos von Verletzungen oder beschädigtem Eigentum
  • Kopien von Polizeiberichten, medizinischen Unterlagen oder Kontakten zu Sozialdiensten

Bewahre diese Informationen an einem sicheren Ort auf – oder gib sie einer Person, der du vertraust.

Es gibt viele unterschiedliche Unterstützungsangebote für Menschen, die geschlechtsspezifische Gewalt erlebt haben oder aktuell erleben. Spezialisierte Angebote können helfen bei:

  • Rechtsberatung, Vertretung sowie Annäherungs-/Schutzanordnungen
  • Unterstützung im Umgang mit Polizei, Gesundheitswesen oder Sozialdiensten
  • Emotionaler und psychologischer Unterstützung
  • Sicherer Unterkunft oder Notunterbringung
  • Kinderbetreuung oder sozialen Leistungen
  • Unterstützung bei Bildung oder Beschäftigung
  • Dolmetsch- und Übersetzungsdiensten

Die meisten dieser Angebote sind kostenlos und vertraulich. Viele bieten „One-Stop“-Unterstützung an und verbinden dich mit allem, was du möglicherweise brauchst. Du hast das Recht, Unterstützung zu erhalten, ohne beurteilt, unter Druck gesetzt oder diskriminiert zu werden.

Die Entscheidung zu melden liegt allein bei dir. Du entscheidest, ob, wann und wie du diesen Schritt gehen möchtest. Wenn du dich dazu entscheidest, kannst du:

  • Anzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft erstatten
  • Anonyme oder Online-Meldewege nutzen
  • Unterstützung durch Rechtsberatung/Prozessbegleitung oder eine Interessenvertretung (Advocacy) anfordern

Du kannst dich auch entscheiden, nicht zu melden – und trotzdem volle Unterstützung und Angebote in Anspruch nehmen.

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Wenn du GBV beobachtest oder jemanden unterstützen möchtest

Wenn du glaubst, dass eine dir nahestehende Person geschlechtsspezifische Gewalt erlebt, gibt es einfache, aber wirkungsvolle Möglichkeiten zu helfen. Du musst kein*e Expert*in sein — deine Empathie, dein Vertrauen und deine Präsenz können einen echten Unterschied machen. Dieser Abschnitt bietet Ideen, wie du jemanden sicher und respektvoll unterstützen kannst.

Wenn dir jemand von einer Gewalterfahrung erzählt:

  • Glaube der Person. Verlange keinen Beweis.
  • Bewerte sie nicht und gib ihr nicht das Gefühl, die Gewalt sei ihre Schuld.
  • Bedanke dich für das Vertrauen. Sage, dass sie nicht allein ist.

Du könntest schockiert, wütend oder verwirrt sein — besonders, wenn die gewaltausübende Person jemand ist, den du kennst. Reagiere trotzdem ruhig und mit Mitgefühl. Versuche zu verstehen, wie groß dieser Schritt für die betroffene Person sein kann — es braucht Mut, darüber zu sprechen. Zu wissen, dass jemand da ist, ihr glaubt und ihr Vertrauen schenkt, kann eine enorme Erleichterung sein und ein kraftvoller erster Schritt im Heilungsprozess.

Lass die Person in ihren eigenen Worten und in ihrem eigenen Tempo sprechen. Dränge nicht auf Details und versuche nicht, sofort alles zu „lösen“. Allein achtsames Zuhören kann sehr heilsam sein. Fragen zu stellen und sie die Schwierigkeiten beschreiben zu lassen, kann ihr auch helfen, eigene Antworten zu finden. Lass sie das Gespräch führen. Wenn sie noch nicht bereit ist, biete an, später noch einmal nachzufragen — und halte dein Versprechen.

Vielleicht verspürst du den Impuls zu handeln — ihr zu helfen zu gehen, andere zu informieren oder die Person zur Rede zu stellen, die Schaden verursacht. Das kommt aus Fürsorge, aber wichtig ist:

  • Weggehen/Trennung fühlt sich vielleicht gerade nicht sicher oder möglich an.
  • Es fehlen möglicherweise Geld, Unterkunft oder es gibt Sorgen um Kinder oder Haustiere.
  • Vielleicht ist die Person einfach noch nicht bereit, die Beziehung zu beenden.

Nur sie kann entscheiden, wann und wie sie handelt. Deine Rolle ist nicht, für sie zu entscheiden, sondern sie zu begleiten — ohne Urteil, Druck oder Erwartungen.

Bleib präsent. Hör weiter zu. Zeig, dass du da bist. Manchmal ist es unglaublich stärkend, einfach zu wissen, dass jemand da ist, glaubt und das Tempo respektiert. Ob du ihr hilfst, eigene Antworten zu finden, oder „nur“ emotionale Unterstützung gibst — du hilfst schon mehr, als du vielleicht denkst.

Wenn du jemandem hilfst, der geschlechtsspezifische Gewalt erlebt, kannst du unterstützen, Kontakt zu spezialisierten Angeboten aufzunehmen. Tu das nur, wenn die Person zustimmt und diesen Schritt gehen möchte. Mit ihrem Einverständnis kannst du:

  • Beim Finden eines Unterstützungsangebots, einer Hotline oder eines passenden Meldewegs helfen
  • Dein Telefon oder deinen Computer zur Verfügung stellen (besonders, wenn ihre Geräte überwacht werden)
  • Sie zu Terminen oder Angeboten begleiten, um zu unterstützen und Sicherheit zu geben

Jemanden durch eine schwierige Zeit zu begleiten, kann emotional sehr belastend sein. Es ist wichtig, dein eigenes Wohlbefinden zu schützen, während du das der anderen Person unterstützt:

  • Sorge für ausreichend Schlaf
  • Beweg dich – selbst ein kurzer Spaziergang kann Stress reduzieren
  • Nimm dir Zeit für Dinge, die dir Freude machen
  • Verbringe Zeit mit Menschen, die dich unterstützen und stärken
  • Sprich mit einer Person, der du vertraust, darüber, wie es dir geht – ohne das Vertrauen der Person zu brechen, der du hilfst

● Wenn nötig, ziehe in Betracht, dir selbst Unterstützung zu holen – z. B. bei einer Beratungsstelle, einer Support-Hotline oder einer Fachperson für psychische Gesundheit. Spezialisierte Angebote sind auch dafür da, dich zu unterstützen, selbst wenn du die Gewalt nicht persönlich erlebt hast.

Wenn es alleine zu viel wird, sprich offen mit deiner Freundin/deinem Freund oder Familienmitglied und überlege gemeinsam, ob es noch eine weitere Person gibt, mit der sie/er sich wohlfühlen würde, die Situation zu teilen und die ebenfalls unterstützen kann. Du bist nicht allein dafür verantwortlich, alles zu „reparieren“.

Egal, ob du Gewalt überlebst oder jemandem beistehst, der sie erlebt:

  • Du bist nicht allein. Hilfe ist verfügbar.
  • Vertrau deinem Bauchgefühl. Handle mit Empathie.
  • Hol dir Unterstützung. Jeder Schritt, den du machst, zählt.
🏫 Wenn du Belästigung am Arbeitsplatz, in der Schule oder in öffentlichen Räumen erlebst

Belästigung kann in unterschiedlichen Kontexten auftreten – am Arbeitsplatz, in Schulen, Universitäten, in öffentlichen Räumen oder online. Sie kann viele Formen annehmen, darunter verbale Übergriffe, unerwünschte körperliche Berührungen, sexuelle Belästigung, einschüchterndes Verhalten oder Cybermobbing. Unabhängig davon, wo sie passiert: Belästigung ist inakzeptabel, und du hast das Recht, dich sicher und respektiert zu fühlen.

Was du tun kannst:

• Alles dokumentieren: Führe Aufzeichnungen über Vorfälle (Daten, Uhrzeiten, Orte, was passiert ist und mögliche Zeug*innen). Speichere E-Mails, Screenshots oder Nachrichten, die unangemessenes Verhalten belegen.

Den Vorfall intern melden:

o Arbeitsplatz: Wende dich an die Personalabteilung (HR) oder an eine benannte Ansprechperson, die für die Bearbeitung von Belästigungsbeschwerden zuständig ist.

o Bildungseinrichtung: Melde den Vorfall einer vertrauenswürdigen Lehrkraft, der Schulsozialarbeit/Schulberatung oder der Anti-Belästigungsbeauftragten der Einrichtung.

o In öffentlichen Räumen: Wenn du dich sicher fühlst, bitte Menschen in der Nähe um Hilfe oder wende dich an Sicherheitspersonal.

Externe Unterstützung suchen: Wenn du das Gefühl hast, dass deine Meldung nicht ernst genommen wird, kannst du die Angelegenheit eskalieren, indem du:

o Externe Organisationen kontaktierst, die auf GBV oder Belästigung am Arbeitsplatz spezialisiert sind.

o Gewerkschaften, Arbeitnehmer*innenrechte-Organisationen oder Studierendenberatungsstellen kontaktierst.

o Eine formelle Beschwerde bei nationalen Gleichstellungsstellen oder bei Arbeitsaufsichtsbehörden einreichst.

• Rechtliche Schritte: Du hast das Recht, rechtlich gegen die Täterperson vorzugehen, wenn du das möchtest – du bist jedoch nicht verpflichtet, diesen Schritt zu gehen. Rechtsberatungsstellen können dich durch den Prozess begleiten und unterstützen, wenn und sobald du entscheidest, dass es für dich der richtige Zeitpunkt ist.

Wichtige Hinweise:

• Es ist nicht deine Schuld. Belästigung hat mit Macht und Kontrolle zu tun – nicht damit, wie du dich verhältst, kleidest oder auftrittst.

• Du musst das nicht allein bewältigen. Unterstützungsangebote können dich begleiten – auch wenn du dich entscheidest, nicht zu melden.

• Du hast das Recht, zu arbeiten, zu lernen und dich in sicheren, respektvollen Umgebungen zu bewegen.

📞 Offizielle Unterstützungsangebote & Meldewege

EU-weite Melde- und Hilfekanäle

🚨 Notrufnummer
In allen EU-Mitgliedstaaten verfügbar
112

Die EU-weite Notrufnummer ist in allen Mitgliedstaaten für Polizei-, medizinische oder Feuerwehrhilfe verfügbar. Du kannst 112 anrufen oder eine kostenlose SMS oder E-Mail senden an: contact@112.gov.gr (abhängig von nationalen Systemen und Barrierefreiheit).

📣 EU-Helpline für Opfer von Gewalt gegen Frauen
Vertraulich & in den meisten Ländern kostenlos
116 016

Diese harmonisierte Helpline-Nummer ist EU-weit verfügbar und bietet Unterstützung, Informationen und Orientierung für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Anrufe sind vertraulich und in den meisten Ländern kostenlos.

Nationale Helplines (nach Land)

Jedes EU-Land betreibt eine eigene nationale Helpline für Überlebende von geschlechtsspezifischer Gewalt. Diese Angebote sind vertraulich, häufig rund um die Uhr verfügbar und werden von geschultem Personal betreut.

Unten findest du die nationalen Helplines aus den SHIELD-Partnerländern:

Griechenland

SOS-Hotline – 15900

Italien

Nationale Helpline gegen Gewalt und Stalking (Numero Antiviolenza e Stalking) – 1522

Deutschland

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen – 08000 116 016 – https://www.hilfetelefon.de/

Spanien

Helpline für Information und Rechtsberatung bei geschlechtsspezifischer Gewalt – 016 – WhatsApp: 600 000 016 – E-Mail: 016-online@igualdad.gob.es | Für Minderjährige: ANAR: 900 20 20 10

Niederlande

Veilig Thuis (Safe At Home) – 0800 2000

Quelle: Europäische Kommission – Nationale Helplines

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